forumNeues Thema

Taugt kostenlose Tierarztpraxis-Software was oder zahlt man am Ende doppelt drauf?

VVeli Y***Teilnehmer
Funktion
Datenanalyst
Branche
E-Commerce
Organisationsform
Produktionsunternehmen mit 40 Mitarbeitern
Beigetreten
Nov. 2023
Nachricht
91

Doki · Server-Wartungsvertrag · 2024

#1

Wir betreiben eine kleine Kleintierpraxis in München mit zwei Tierärzten und einer TFA. also momentan haben wir rund 450 aktive Patienten (Katzen, Hunde und Kleintiere) in der Kartei... Termine liefen jahrelang über den Kalender, Impf- und Behandlungshistorien über einfache Tabellen und Papierakten. Jetzt wollen wir Terminvergabe, Patientenakten und Abrechnung endlich in einem zentralen System bündeln.

Um das Budget nicht gleich zu sprengen, testen wir gerade eine kostenlose Cloud-Praxissoftware aus dem Netz. Die Oberfläche wirkt auf den ersten Blick ganz flott, aber bezüglich DSGVO, Serverstandort und Datenexport der Historie bei einem späteren Systemwechsel habe ich massive Bedenken. also ob wir damit überhaupt eine korrekte Rechnung nach der GOT hinbekommen steht auch noch in den Sternen.

Hat hier jemand sowas schon durchgemacht? Funktioniert das tatsächlich für null Euro oder spart man da an der falschen Stelle und zahlt am Ende bei Datenverlust oder Migrationschaos das Doppelte drauf?

İİsmail T***TeilnehmerCommunity-Mitglied
Beigetreten
Jan. 2024
Nachricht
418
Nützlichste Antwort#2

Kurz gesagt: Für reine Terminverwaltung reicht Freeware zwar aus, aber sobald Patientenhistorie, rechtliche Vorgaben und Datenportabilität ins Spiel kommen, wird es langfristig richtig teuer. Selbst eine kleine Praxis fährt am sichersten, wenn sie von Anfang an auf ein System setzt, das volle Datenexporte erlaubt und die hiesigen Vorschriften abbildet.

Die größte Falle bei solchen Gratis-Tools ist der Vendor-Lock-in. Wenn ihr nach einem Jahr die Impfkalender, OP-Berichte und Laborbefunde von 450 Tieren eingepflegt habt und wechseln wollt, bekommt ihr eure Daten meistens nur als zusammengestückelte PDFs und nicht als saubere Datenbanktabelle. Um das in ein neues System zu migrieren, zahlt ihr einem Entwickler oder eurer TFA hunderte Stunden an Mehrarbeit.

Der zweite Knackpunkt sind die GOT und die GoBD-Anforderungen. Das Abrechnungsmodul muss die aktuellen GOT-Ziffern automatisch ziehen und unveränderbare Buchungsdaten gewährleisten. Universelle Gratis-Tools haben das schlicht nicht an Bord – bei einer Prüfung drohen wegen fehlerhafter Abrechnungen empfindliche Strafen.

Mein Rat: Schaut euch statt reiner Freeware lieber nach einer etablierten Praxissoftware im Bereich von 40 bis 80 EUR monatlich um, mit Servern in der EU und standardisiertem CSV- oder SQL-Export. Diese überschaubaren Abokosten fallen überhaupt nicht ins Gewicht im Vergleich zu dem, was euch ein Datenverlust oder manueller Umzug kosten würde.

BBurak Ö***Experte
Funktion
Datenerfasser
Branche
Sport & Fitness
Organisationsform
Genossenschaft
Beigetreten
März 2022
Nachricht
104
#3

Testet am besten heute noch die Export-Funktion in den Einstellungen der Testversion. Kriegt ihr da Rohdaten (JSON oder CSV) raus, oder lässt sich das Ganze nur als Bildschirmlayout drucken? Wenn kein Rohdaten-Export da ist, wird jede angelegte Akte dort quasi als Geisel gehalten.

HHüseyin S***VeteranCommunity-Mitglied
Beigetreten
Juli 2022
Nachricht
175
#4

Wir haben in Hannover bei ähnlicher Praxisgröße anfangs auch auf Open-Source gesetzt. 600 EUR an einen ITler für Setup und Backups gezahlt, nach 6 Monaten ist ein Plugin abgeschmiert. Haben dann genervt aufgegeben und nutzen jetzt eine Branchenlösung für 65 EUR im Monat – spart uns pro Woche locker 4 Stunden Büroarbeit bei den Rechnungen.

EEbru Y***Experte
Funktion
Content-Stratege
Beigetreten
Nov. 2023
Nachricht
186
#5

Vor der Entscheidung müsst ihr drei Punkte zwingend schriftlich abklären: 1) Einen DSGVO-konformen AV-Vertrag, 2) Serverstandort garantiert innerhalb der EU, 3) Rechtssichere Archivierung entsprechend den Aufbewahrungsfristen der Tierärztekammer.

NNecati G***ExperteCommunity-Mitglied
Beigetreten
Nov. 2024
Nachricht
409
#6

Man muss sich immer fragen, wie sich so ein kostenloser Cloud-Dienst überhaupt finanziert. Server, Backups und IT-Sicherheit kosten nun mal Geld. Wenn ihr nichts zahlt: Woher wisst ihr, dass die Kontaktdaten der Tierhalter nicht anonymisiert für Marketingzwecke weiterverarbeitet werden? Das Risiko würde ich niemals eingehen.

AAlper P***Teilnehmer
Funktion
Systemadministrator
Branche
Immobilien
Organisationsform
Firma mit 20 Mitarbeitern
Beigetreten
Aug. 2024
Nachricht
85
#7

Prüft in der jetzigen Software Folgendes: 1) Sind die aktuellen GOT-Ziffern fest hinterlegt? 2) Kostet der automatische SMS- oder E-Mail-Impferinnerungsservice extra? 3) Kann man bei Internetausfall Notfälle auch offline sauber dokumentieren?

İİbrahim T***Neues Mitglied
Funktion
Grafikdesigner
Branche
energie
Organisationsform
Filialkette
Beigetreten
Juni 2026
Nachricht
90
#8

mit gratis-tools anfangen und dann daten migrieren wollen ist der absolute albtraum. kenne einen tierarzt der am ende wieder zu excel zurück ist nehmt lieber gleich was vernünftiges dann habt ihr ruhe.

HHavva K***Teilnehmer
Funktion
Finanzbuchhaltung
Branche
Reinigungsdienstleistungen
Organisationsform
Boutique-Agentur
Beigetreten
Mai 2024
Nachricht
145
#9

Ihr müsst euch ja nicht sofort an Jahresverträge binden. Fast alle professionellen Anbieter haben 30 Tage Testphasen. Legt euch da einfach mal 3-4 fiktive Fälle an, spielt Abrechnung und Auswertungen durch, dann seht ihr den Unterschied sofort.

OOnur M***Veteran
Funktion
CTO
Branche
Elektro- und Elektronikindustrie
Organisationsform
Filialkette
Beigetreten
Aug. 2024
Nachricht
19

Doki · Penetrationstest · 2026

#10

Gespeichert.

DDeniz Ö***VeteranCommunity-Mitglied
Beigetreten
Juni 2023
Nachricht
238
#11

Hier muss man eine Unterscheidung treffen. Wenn der Umfang wächst, müssen entweder Zeit oder Budget wachsen. Eine dritte Option gibt es nicht.

Das ist meine Meinung, ich behaupte nicht, dass es absolut richtig ist.

KKübra G***Teilnehmer
Funktion
Außendienstmitarbeiter
Branche
Recht
Organisationsform
mittelständisches Unternehmen
Beigetreten
März 2024
Nachricht
7
#12

Bei uns war es so. Menschen verteidigen nicht den Prozess, sondern die Gewohnheit. Der Widerstand kommt daher.

Aus Erfahrung weiß ich das.

BBora Z***TeilnehmerCommunity-Mitglied
Beigetreten
März 2024
Nachricht
55
#13

Ich fasse kurz zusammen, was bisher gesagt wurde. Zugangsdaten sollten auf den Firmennamen laufen, nicht auf persönliche Konten.

OOnur K***Experte
Funktion
F&E-Leiter
Beigetreten
Aug. 2023
Nachricht
142
#14

Ich bin derselben Meinung. Schaut zuerst, welche Daten ihr bei der Entscheidungsfindung zur Hand habt.

Korrigiert mich, falls ich falsch liege.

VVeli Y***Teilnehmer
Funktion
Außendienstmitarbeiter
Branche
Sport & Fitness
Organisationsform
Filialkette
Beigetreten
Juni 2024
Nachricht
45
#15

Man sollte der Reihe nach vorgehen... naja wenn keine Abnahmekriterien definiert sind, ist der Abschlusszeitpunkt des Projekts diskussionswürdig.

Wenn es jemand anders macht, würde mich das auch interessieren.

KKORİDoki-Team
Funktion
Forum-Moderator
Branche
IT-Sicherheit und Digitalisierung
Organisationsform
Doki
Beigetreten
Jan. 2023
Nachricht
2.840
Wächter#16

Diese Frage kommt im Forum häufig vor, daher fasse ich es mal zusammen: Erstellt zuerst ein Inventar – was habt ihr, wo liegt es, wer hat Zugriff? Jede Maßnahme ohne Inventar lässt eine unsichtbare Tür offen.

ÖÖzgür V***TeilnehmerCommunity-Mitglied
Beigetreten
Apr. 2024
Nachricht
228
#17

Danke fürs Schreiben, das ist genau richtig. Wenn der Umfang wächst, müssen entweder Zeit oder Budget wachsen. Eine dritte Option gibt es nicht.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

AAlper A***TeilnehmerCommunity-Mitglied
Beigetreten
Aug. 2024
Nachricht
137
#18

Das habe ich auch erlebt. Jeder nicht schriftlich festgehaltene Punkt ist einer an den sich beide Parteien später unterschiedlich erinnern.

Wenn deine Situation anders ist ändert sich das natürlich.

RRıdvan K***Teilnehmer
Funktion
CTO
Branche
Einzelhandel
Organisationsform
mittelständisches Unternehmen
Beigetreten
Okt. 2023
Nachricht
70

Doki · Interface-Design · 2026

#19

Mich interessiert das auch. Je schwerer es ist, eine Entscheidung rückgängig zu machen, desto langsamer solltet ihr sie treffen.

Wenn keine Abnahmekriterien definiert sind, ist der Abschlusszeitpunkt des Projekts diskussionswürdig.

HHakan Y***Neues Mitglied
Funktion
HR-Spezialist
Branche
Werbung und Marketing
Organisationsform
neu gegründetes Startup
Beigetreten
Sept. 2026
Nachricht
4
#20

Die Diskussion ist abgeschweift, ich fasse mal zusammen. Das Teuerste an übernommenen Systemen sind unbekannte Abhängigkeiten.

Ein Change-Request-Prozess verlangsamt die Arbeit nicht, sondern beschleunigt sie. Wenn es jemand anders macht, würde mich das auch interessieren.

Antwort schreiben